Mittwoch, Dezember 13, 2017

Scheitern – und dann?


Geschichten aus dem Silicon Valley
San Francisco, 3. November 2017


Scheitern hat im Silicon Valley eine ganz andere Bedeutung als in unserer Business-Kultur und Fehler zu machen einen anderen Stellenwert. Dies ist eine Geschichte, die ich auf meiner Reise im vergangenen Monat gehört habe – und ich bin sicher, es ist nicht die einzige.

Ein Unternehmen hatte erfolgversprechende Pläne für ein neues Computerspiel: Eine spannende Geschichte, anspruchsvolle Rätsel, großartige Bilder, und das über mehrere Level und in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Die Mannschaft war an Bord, hat Software entwickelt, sich mit technischen Schwierigkeiten auseinandergesetzt, Teams haben gemeinsam an Ergebnissen gearbeitet – man wuchs zusammen.

Doch jedes Unternehmen ist immer nur so gut, wie der Erfolg seines Produktes im Markt: Wird es vom Kunden nicht gekauft, war’s das. Trotz fähiger Entwickler und kreativer Ideen ging das Konzept nicht auf und das Unternehmen pleite. Als man die Überreste sortierte und Menschen überlegten, wie es denn nun weitergehen sollte, kam ein findiger Kopf auf eine brillante Idee.

Die Entwickler Teams hatten sich ihr eigenes Kommunikationstool erstellt: Es erlaubte ihnen, untereinander schnell und unkompliziert Nachrichten, Fragen ans Team, Wissen, Bilder, Dateien usw. auszutauschen. Da die Teams an verschiedenen Orten arbeiteten und unterschiedliche Arbeits-Rhythmen hatten, war das ein zentrales Tool für das gemeinsame Projekt. „Lasst uns das verkaufen!“, war die Überlegung, die beim Aufräumen und Abschiednehmen entstand, „Das Tool hat unseren Remote-Teams die Kommunikation miteinander ermöglicht, warum nicht auch anderen?“ Daraus wurde „Slack.com“:
Heute gibt es 9 Millionen aktive Nutzer in über 100 Ländern, die eine Idee eines gescheiterten Unternehmens benutzen – übrigens auch die Süddeutsche Zeitung. Irre, oder? (Logo (C) by Slack.com)


Wäre das bei uns möglich? Ist ein Unternehmen, das Konkurs geht, nicht die unternehmerische Voll-Katastrophe, bei der intensiv nach dem Schuldigen statt nach verbleibenden Perspektiven gesucht wird? Wer kümmert sich hierzulande eigentlich darum, was in einem gescheiterten Unternehmen noch weiter verwertet werden kann, so dass daraus ein eigener Erfolg entsteht? Das ist in der Regel der Insolvenz-Verwalter – nicht der Chancen-Verwerter. By the way: Ist irgendjemand bei Air Berlin auf die Idee gekommen, außerhalb der Luftfahrt-Branche nach unternehmerischen Ideen zu suchen, oder zu überlegen, was man mit den Kompetenzen des Unternehmens sonst noch anfangen könnte? Sowas wie „Air Berlin Slack“? Oder haben alle nur in den Kategorien Sozialplan, Absicherung und Entschädigung gedacht?


Eines meiner Lieblingszitate zum Thema Scheitern wird Andrew Carnegie zugeschrieben: Der legendäre amerikanische Unternehmer hatte einen Manager neu eingestellt. Der traf eine falsche Entscheidung, die das Unternehmen eine Million Dollar kostete. Carnegie ließ den Manager zu sich kommen. Dieser nahm verlegen auf der vordersten Stuhlkante Platz und bemerkte kleinlaut: "Sie werden mich jetzt bestimmt feuern." Doch Andrew Carnegie erwiderte: "Wie kommen Sie denn darauf? Ich habe eben eine Million Dollar in Ihre Ausbildung investiert! Warum sollte ich Sie gerade jetzt gehen lassen?"

(Quelle: https://addicted2success.com/quotes/32-inspirational-dale-carnegie-quotes/)

Montag, Dezember 04, 2017

Gebrauchsanleitung zum Glücklichsein

Wie wir Omas Kopfkino anregten

Meiner Oma schenkten wir zu Weihnachten einmal einen Kaffeevollautomaten. Wir richteten ihr das Gerät ein und zeigten ihr, welche Knöpfe sie für eine Tasse Kaffee drücken muss. Als wir an Ostern zur nächsten Familienfeier vorbeikamen, brühte sie den Kaffee wie immer mit dem guten alten Porzellanfilter in der Meißner Kaffeekanne auf. Also haben wir uns mit Oma noch einmal intensiv mit der Nutzung ihrer neuen Kaffeemaschine beschäftigt. Die ganze Familie war zwei Tage lang in das Kaffee-Projekt eingebunden. 
Was das mit Business-Storytelling zu tun hat? Das erfahren Sie HIER.
Oder im Live-Webinar am 6. Dezember, 17:30 Uhr, von und mit Sigrid Hauer.

Dienstag, November 14, 2017

„Make anything!“

Geschichten aus dem Silicon Valley



Damit Neues entstehen kann, muss man ab und zu neue und andere Ideen zulassen. Die Delegationsreise der IHK München und Oberbayern ins Silicon Valley, an der ich teilnehmen konnte, hat mir Anfang November einen ganzen Berg neuer Ideen für das Denken in ungewöhnlichen Bildern gebracht. Hier eine der schönsten Geschichten:



San Francisco, 2. November 2011

Was wäre wenn ... Kinder auch nach Sonnenuntergang noch ihre Hausaufgaben machen könnten? Nun, sie könnten länger draußen spielen, solange es hell ist – Fußball zum Beispiel. In Gegenden, ohne Stromanschluss wird das Leben davon bestimmt, wann die Sonne untergeht. Danach gibt es kaum mehr Licht in den Häusern. Ein „Social Start up“ hatte die Idee, einen Ball zu entwickeln, der die Bewegungsenergie speichert und abends mit einer aufgesetzten LED-Lampe zur Beleuchtung wieder abgibt – eine halbe Stunde Fußballspielen für drei Stunden Licht: „Kinder geht raus zum Fußballspielen, damit wir heute Abend Licht haben!“

„Make anything“ ist der Slogan von Autodesk. Wenn du es dir vorstellen kannst, kannst du es auch machen. Das Unternehmen verkauft die Software, mit der dieser Ball entwickelt worden ist. Man könnte vielleicht sagen: „Autodesk stellt Software für computer-aided design (CAD) und Computeranimation in den Bereichen Architektur, Gebäudetechnik und Hoch- und Tiefbau, Automotive und Transportwesen, Mechanik und Maschinenbau, Medien und Unterhaltung sowie Versorgung und Telekommunikation her.“ (Wikipedia)

Oder man kann Geschichten darüber erzählen, was die Software kann. Lösungen, die Kunden und Anwender der Software, entwickelt haben – davon erzählt ein ganzer Showroom bei Autodesk, den ich auf meiner Reise ins Silicon Valley besucht habe: Von Gebäuden mit extremen klimatischen Herausforderungen, von der Schönheit filigranen Designs, von smarten Lösungen durch Digitalisierung oder von spektakulären Hollywood-Produktionen.

Autodesk ist kein Start-up mehr. Aber Storytelling ist im Silicon Valley ein völlig selbstver-ständliches und verbreitetes Tool. Gute Geschichten machen die Produkte von Start-ups emotional und sofort verständlich. Ist es die Nähe zu Hollywood? Ist es die Haltung, dass der Erfolg eines Start-ups darin liegt, den Markt für ein Produkt schnell zu erschließen und Kunden zu begeistern? Start-ups sind hier ein Massenphänomen: Start-up Accellerator stellen Gründern drei Monate Raum und Finanzierung zur Verfügung – in dieser Zeit muss es pas-sieren, danach sind sie raus. Scheitern allerdings hat hier auch eine ganz andere Bedeutung als in unserer Business-Kultur und Fehler zu machen einen anderen Stellenwert – aber davon mehr in meiner nächsten Geschichte.

... oder im Webinar am 15.11. ab 17:30 Uhr.
Infos und Anmeldung


Dienstag, September 05, 2017

Strategie im Labyrinth: Die Helikopter-Perspektive

Sicher ist sicher – oder doch nicht? 


Inzwischen ist der Kunde richtig verärgert, weil seine Daten auf unverschlüsselten Wegen übermittelt werden. Der Consultant ist beleidigt, weil bei seiner eindeutigen Formulierung in der Auftragsbeschreibung für den Programmierer „...ja wohl hätte klar sein müssen, was zu tun ist“. Der Programmierer ist empört, weil der Consultant falsche Vorgaben gemacht hat: „Wenn du keine Ahnung von deinem Job hast, dann frag halt mal rechtzeitig.“ Und der Teamchef verbringt viel Zeit damit, die Wogen zu glätten.

Wie alles begann...


Dienstag, August 08, 2017

Zeit für Perspektivwechsel?!

„Braucht’s das eigentlich?“


Birkenstock, Motto T-Shirt und Schraubenzieher in der Hosentasche, redet von Sachen, die keiner versteht – braucht das Image des IT-lers ein Update? Mit professionellen Kommunikationskonzepten, die strategisch und vorausschauend auf User-Bedürfnisse eingehen, werden IT-Unternehmen und unternehmensinterne IT-Abteilungen zu Lösungsanbietern.

Mit wem haben wir’s zu tun?


Dörthe Vogt ist Sekretärin einer Führungskraft eine Ebene unterm Vorstand – eine graue Eminenz im Unternehmen.

Freitag, Juni 09, 2017

Das Pareto - Prinzip ist Quatsch

 .... Dazu gibt es heute beim Projektmagazin einen Artikel von mir.

Wie immer: die Kommunikation im Projekt ist das entscheidende :-)

Mittwoch, Mai 03, 2017

Schnelleres Denken in Projekten

„Von den Anforderungen für unsere Projekte ist immer nur die Hälfte bekannt.“ Das ist die Standard-Beschwerde, die Peter von seinen Mitarbeitern regelmäßig hört. Peter ist Chef eines Teams von technischen Consultants und Programmierern, die gemeinsam Kundenprojekte bearbeiten.

Immer wieder kommt es zu Verzögerungen aufgrund von fehlerhaften Informationen. Im aktuellen Fall war ein Kunde richtig verärgert, weil die gewünschte Funktion zur Übermittlung von sensiblen Kundendaten unverschlüsselte Übertragungswege nutzte. Bestellt hatte er eine extra sichere Datenübertragung.

Der Consultant ist beleidigt. „Wenn da steht „sichere Übertragung“, dann ist doch wohl klar, was zu tun ist.“ Der Programmierer ist empört: „Wenn Du nicht erklären kannst, was für Deinen Kunden „sicher“ bedeutet, hast Du keine Ahnung von Deinem Job. Dann frag halt mal rechtzeitig.“ Die Diskussion lief nicht wirklich in eine konstruktive Richtung. Programmierer und Consultant schienen in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Peter ist frustriert.

Freitag, April 21, 2017

Erzähl mir eine Geschichte....

Was hat ein Tiger mit Deinem Business zu tun?


Die Schwanthalerstraße in München ist eine viel befahrene Straße und nicht ganz ungefährlich. Ich weiß das, weil unser Büro genau an dieser Straße liegt. Als Fußgänger bleibt man besser auf dem Gehweg. Manchmal versteht man sein eigenes Wort für Minuten kaum, weil eine Karawane von Feuerwehr und Krankenwagen die Straße hinunter düst. Offensichtlich passiert oft etwas - hier oder in der Nähe.

Es könnte hier aber noch viel gefährlicher sein: Zum Beispiel könnten Tiger auf der Suche nach Beute über den Gehweg schlendern und die Straße für Fußgänger inakzeptabel gefährlich machen.

Das passiert aber nicht.

Warum?

Donnerstag, April 13, 2017

Business Storytelling - Welche Helden hat Dein Business?



Hier ist ein kurzer Ausschnitt aus dem letzten Business Storytelling Online Workshop. Wir haben über Helden diskutiert und ein paar Tipps und Hinweise zusammengetragen, wie Helden fürs Business Storytelling sein können.

Mehr dazu gibt es übrigens am 10. und 11. Mai in unserem Life - Workshop in München.

Mittwoch, April 12, 2017

Andere Fragen führen zu anderen Ergebnissen

Vor kurzen nahm ich an einer Projektkrisensitzung teil. Das Projekt, eine ehrenamtliche Idee, das aus einem Netzwerk von IT-Fachleuten entstanden war. Es dümpelte seit Wochen, eigentlich seit Monaten, vor sich hin und nichts ging voran. Zusagen wurden nicht eingehalten, Ergebnisse zwar geliefert, aber nur so lala und Fehler passierten, weil Kollegen über Abhängigkeiten und Zusammenhängen von Arbeitspaketen nicht genau genug nachdachten und Details unbeachtet blieben.

Als Teil des Projektteams hatte ich immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil Ergebnisse, auf die ich gewartet hatte, nicht rechtzeitig kamen, Missverständnisse in Absprachen entstanden und Kollegen sich teilweise komplett aus den abgesprochenen Aufgaben zurückgezogen hatten. Alles in Allem kein Projekt, das noch Spaß machte.

Das alles führe zu einer großen Besprechungsrunde mit allen Beteiligten, um der Ursache auf den Grund zu gehen und zu entscheiden, ob das Team das Projekt denn überhaupt fortführen wollte. Das Ergebnis nach mehreren Litern Kaffee, einigen Pfund Besprechungskeksen und einigen Raucherpausen war für mich überraschend.

Überraschend waren vor allem die Einsichten der beteiligten Kollegen und die Offenheit, mit der die Erkenntnisse diskutiert wurden. Dabei stelle sich heraus, dass es weder fachliche noch technische Probleme waren, die das Projekt ins Stolpern gebracht hatten.

Quintessenz waren die folgenden Fragen, die das Team gemeinsam formulierte, um den Stand des Projektes zu hinterfragen.
  • Was können wir tun, damit das Projekt wieder so interessant wird, dass alle gerne daran arbeiten?
  • Wie gehen wir mit Verschiebungen und Verzögerungen um? Sanktionen oder individuelle Lösungsfindung?
  • Welchen Sinn hat die gemeinsame Projektarbeit?
  • Welchen Sinn sieht jeder einzelne in den Arbeitspaketen, die er übernommen hat?
  • Was bedeutet das Projektziel für jeden einzelnen?
  • Was bedeutet das Projektergebnis für jeden einzelnen?
  • Warum sollte jemand außerhalb des Teams das Projekt gut finden?
Die Antworten auf die Fragen waren nicht immer eindeutig und es bestand auch kein Konsens in allen Punkten. Bis auf die erste Frage, die alle gemeinsam beantworteten:

Es muss wieder so interessant werden, dass es allen leid tut, wenn sie eine Projektsitzung verpassen. Und dafür sind alle im Team verantwortlich. Wenn jeder auf den anderen wartet, dass etwas umgesetzt wird, blockieren wir uns gegenseitig. Das war das wichtigste Ergebnis der Krisensitzung.

Ein paar einfache Fragen hatten das Projekt komplett gedreht und seit ein paar Wochen nimmt es richtig Fahrt auf. Einfach, weil sich jeder überlegt, was er tun kann, damit die anderen das Projekt interessant finden.

Erkenntnis für mich: Die Weisheit liegt oft in den Fragen. Andere Fragen führen zu andern Ergebnissen. Und meistens aus der Sackgasse.